Robert Hieronymus Wolfram (1816 – 1896)

Stadtchronist von Borna und Erbauer des Hauses in der Grimmaer Straße 30.

Wer sich mit der Geschichte der Stadt Borna beschäftigt, kann nicht vorbei an einem Buch, das in der Mitte des vorigen Jahrhunderts erschienen ist: Wolframs „Chronik der Stadt Borna mit Berücksichtigung der umliegenden Ortschaften“. Eine immense Arbeit von 50 Jahren Forschung und in diesem Zeitraum festgehaltener, erlebter Stadtgeschichte steckt in diesem Werk, das Wolfram im Jahre 1886 durch einen umfangreichen Anhang selbst noch vervollständigt hatte. Seit über 100 Jahren ist seine Chronik ohne Nachfolger geblieben. Wer war dieser Mann? Unser Wissen beschränkt sich auf wenige Eckdaten. Robert Hieronymus Wolfram wurde am 16. September 1816 als 6. Kind des „herrschaftlichen Braumeisters“ Johann Wolfram zu Großzschocher geboren. Wir wissen nur, dass der hiesige Superintendent Dr. Johann Carl Heinrich von Zobel den achtzehnjährigen Wolfram als Famulus zu sich nahm. Sicherlich ist es Dr. v. Zobel gewesen, der das Interesse des jungen Mannes für die Heimatgeschichte weckte. Zobel befasste sich selbst mit einer „Geschichte der Pastoren und Superintendenten der Stadt Borna“, die er 1849 herausgab. Etwa von 1840 ab erschien „Sachsens Kirchengalerie“, ein Sammelwerk, dass in einzelnen Heften sämtliche Kirchgemeinden („Parochien“) Sachsens vorstellte. Der Beitrag über Borna stammt aus Wolframs Feder und ist der früheste Beleg für Wolframs Forschertätigkeit. Seit dem Jahre 1838 wirkte Robert Wolfram als Bürgerschullehrer in Borna. Hier erklomm er geduldig die damals obligatorische Stufenleiter: vom 2. Elementarlehrer („2. Unterlehrer“), 1. Elementarlehrer, 2. Mädchenlehrer usw. zum Oberlehrer. Als im Jahre 1862 ein Proseminar für das im Aufbau befindliche Königlich-Sächsische Schullehrerseminar eingerichtet wurde, erteilte Robert Wolfram dort den naturgeschichtlichen Unterricht. In seiner Chronik erwähnt er in aller Bescheidenheit, dass der sächsische König Johann bei seinem Besuch in Borna am 8. Juli 1862 u. a. in einer solchen „naturgeschichtlichen Lektion“ Wolframs hospitierte.

Von 1866 bis zum Eintritt in den Ruhestand i. J. 1880 wirkte Robert Wolfram als Oberlehrer am königlichen Schullehrerseminar. In dieser Zeit (1868) erbaute er sich das Haus Grimmaische Straße 410T (heute Nr. 30), wo er bis zu seinem Tode am 10. September 1896 wohnte.

Literatur von Robert H. Wolfram:

  • Chronik der Stadt Borna: mit Berücksichtigung der umliegenden Ortschaften 1859 Hauptband (1886 Erweiterung) *
  • Flora von Borna 1878 *
  • Chronik des Volksschulwesens 1872
  • Länder- und Völkerkunde 1859 *
  • Vater Heim – Lebensbild eines Arztes 1869 *
  • Sächsische Volkssagen 1863/1868 (2Bände)

Biografie: Vgl. Annemarie Engelmann, in Heimatblätter des Bornaer Landes, Nr. 3, S. 29-32.

* Im Original in der Pension vorliegend